
Lotti Brockmann lebt in Wien und ist am sich ständig verändernden Wattenmeer in Norddeutschland aufgewachsen. Als Kind wollte Lotti Erfinderin, Komikerin und Fallschirmspringerin werden, aber heute hat sie das eine Wort gefunden, das alles zusammenfasst.
Die künstlerische Praxis von Lotti Brockmann untersucht die Grenzbereiche des Objekthaften. In Anlehnung an neomaterialistische Diskurse versteht Brockmann Materialität nicht als passives Trägermedium, sondern als aktiven Akteur im Gefüge aller Beziehungen. Im Zentrum steht das Ephemere: Sprache, Handlung, Erinnerung und Affekt werden als künstlerische Mittel eingesetzt, ebenso wie instabile Stoffe, die das vermeintlich Feste unterwandern. Der Verlust ist dabei nicht nur Thema, sondern formgebendend für die Arbeiten selbst. Viele Arbeiten entstehen daher immer neu für eine Ausstellung; sie entziehen sich der Dauer, verweigern sich der Archivierung. In dieser Ambivalenz – zwischen Bewahren und Verschwinden – verhandelt Brockmann Fragen zur Gegenwart:
Wie gehen wir mit wandelnden Systemen um – etwa mit der Natur – oder mit dem Bedürfnis, etwas festzuhalten, das nicht mehr existiert, wie historischen Narrativen? Zwischen populärkulturellen Referenzen und machtpolitischen Strukturen sucht Brockmann nach einer künstlerischen Sprache, die diese Ebenen miteinander verschränkt. Ihre Arbeiten eröffnen Räume, in denen sich diese Verhältnisse nicht nur abbilden, sondern körperlich, materiell und affektiv erfahrbar machen lassen.
Lotti Brockmann wurde 2025 mit dem Preis der Nordwestkunst der Kunsthalle Wilhelmshaven ausgezeichnet und für den Simacek Award in Wien nominiert. 2023 erhielt sie den Playground Art Prize, unter Nicolaus Schafhausen, Franciska Zólyom, Leonie Radine und Dr. Florence Thurmes. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in Deutschland, Österreich, der Slowakei, Tschechien und Ungarn gezeigt. Im November 2024 war ihre künstlerische Praxis als Soloposition auf der Artissima in Turin (IT) vertreten.
Portrait: Fiona Körner
Fotografien Messestand: Theo Bartenberger




