Dorothee Liebscher

Zwischen Raster und Ranken

Ein Kurzgespräch mit der Künstlerin Dorothee Liebscher

Gerade haben wir die atelierfrischen Arbeiten von Dorothee Liebscher erhalten – und sie haben uns sofort begeistert. Auch in ihren neuen Arbeiten baut Dorothee dynamisch-surreale Bildwelten aus Glas, Licht und Linien – und legt darin architektonische Strukturen frei, als wären sie gerade erst aus dem Dschungel gewachsen. Ihre Malerei erinnert an urbane Labyrinthe, poetisch durchsetzt von Licht und Vegetation.

Für alle, die sich in Bildräumen verlieren möchten – irgendwo zwischen Natur, Konstruktion und Vorstellungskraft – öffnen sich hier Zwischenwelten. Keine reinen Fantasien, eher ein „Was-wäre-wenn“ unserer gebauten Umgebung.

 

7 Fragen an Dorothee Liebscher

1. Wie bist du zur Kunst gekommen? 

Kunst war schon immer meine große Leidenschaft – schon als Kind liebte ich es, stundenlang zu malen, zu zeichnen und zu basteln. Meine Eltern haben das immer unterstützt und mich später auch zu Kunstkursen angemeldet. Ein Schlüsselmoment war mein Erasmus-Jahr an der Fakultät für Bellas Artes in Murcia, Spanien. Ich studierte Lehramt Kunstpädagogik in Leipzig und wollte aus der ganzen Pädagogik und Didaktik ausbrechen, um mich rein der Kunst widmen zu können. Dieses Auslandsjahr bot mir genau diesen Freiraum – es war eine prägende Zeit, die meine künstlerische Entwicklung maßgeblich gefördert hat. Zurück in Leipzig entstand im Rahmen meiner Bachelor-Abschlussarbeit 2013 eine Serie großformatiger Malereien, die für mich einen wichtigen Meilenstein markieren. Die intensive Auseinandersetzung mit der Malerei ebnete mir schließlich auch den Weg zum Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

 

2. Du reist viel und beobachtest genau. Gibt es einen Ort, der dich zuletzt besonders berührt hat – visuell, atmosphärisch, menschlich?

Letztes Jahr war ich in Schweden. Die scheinbar unberührte Natur, die tiefen Wälder, die weiten Horizonte mit ihren klaren Seen waren inspirierend. Aber auch in der näheren Umgebung gibt es Momente, die nachwirken. Spaziergänge im Wald, Lichtstimmungen am Wasser oder zufällige Begegnungen mit Natur und Architekturkonstrukten – vieles davon fließt ganz unbewusst in meine Arbeit ein, oft erst viel später. Es ist weniger das eine große Erlebnis, sondern eher eine Vielzahl von Eindrücken, die sich sammeln und in den Bildern wieder auftauchen.

 

3. Deine Bilder öffnen Räume – manchmal scheint man direkt hineinzugehen. Spielt dieser Eindruck für dich beim Malen eine Rolle?

Ja, dieser Eindruck ist mir wichtig. Ich lasse in meinen Bildern bewusst Vieles offen – beim Skizzieren und Malen erschaffe ich Räume, die sich erst nach und nach erschließen und immer wieder neue Deutungen zulassen. Ich überlege mir dabei, wie der Blick der Betrachter*innen durch das Bild wandert, so als stünden sie selbst als Protagonisten im Bildraum. Beim Malprozess arbeite ich mit transparenten Farbschichten, beginne meist mit zarten Acrylstrukturen und übermale später mit Öl. Dabei bleiben frühere Schichten sichtbar und laden die Betrachtenden ein, nicht nur in den Bildraum einzutauchen, sondern auch ins „Innere“ des Bildes vorzudringen.

4. Pflanzen, Fassaden, Licht – was zieht dich an solchen Motiven an? Was berührt dich daran immer wieder neu?

Mich fasziniert das Zusammenspiel und der Kontrast von organischer, teils wilder Natur und gebauter, sehr statischer Struktur – besonders dort, wo beides beginnt, miteinander zu verwachsen. Fassaden, die vom Licht gezeichnet sind oder von Pflanzen überwuchert werden, erzählen stille Geschichten von Zeit und Veränderung. Diese Motive tragen etwas Vergängliches und zugleich Lebendiges in sich. Immer wieder entdecke ich darin neue Kontraste, Schichten, Übergänge – das berührt mich und inspiriert mich aufs Neue.

 

5. Wenn du einen deiner Bildräume betreten könntest – welchen würdest du wählen? Und was würdest du dort am liebsten tun?

Ich würde einen hellen, offenen Raum wählen, durch den das Licht fällt und in dem Pflanzen durch Fenster und Nischen wachsen. Ich würde mich zwischen ihnen hindurch bewegen, die Balken abschreiten, den Raum erkunden. Dann würde ich hinaus in die Landschaft gehen, die sich im Hintergrund andeutet. Mich interessiert, was sich hinter den gemalten Strukturen verbirgt – was man im Bild nicht sieht, aber spüren kann. Ich würde schauen, wie sich dieser Ort anfühlt, wenn man wirklich dort ist.

 

6. Architektur erscheint in deinen Bildern oft offen, durchlässig, fast schwebend. Was erzählen dir solche Strukturen?

Mich interessieren vor allem Zwischenzustände – wenn Architektur nicht mehr stabil und geschlossen wirkt, sondern durchlässig, fragmentiert oder im Übergang begriffen ist. Solche Strukturen erzählen von Veränderung, von Vergänglichkeit, aber auch von Möglichkeiten und Freiräumen. Sie lassen Raum für Imagination und öffnen die Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen gebauter Welt und Natur.

 

7. Was wünschst du dir, dass jemand spürt, wenn er oder sie vor einem deiner Werke steht?

Ich wünsche mir, dass etwas von der Spannung spürbar wird, die mich beim Malen beschäftigt – dieser Moment, in dem Strukturen anfangen sich aufzulösen, ihren Halt verlieren. Mich interessiert genau dieser Übergang: wenn etwas nicht mehr fest gefügt ist, sondern offen, zerbrechlich, vielleicht auch unkontrolliert und lebendig. Es wäre schön, wenn ein Moment des Innehaltens entsteht, in dem Raum für eigene Gedanken und Empfindungen ist. Vielleicht ein Gefühl, dass sich hinter dem Sichtbaren noch etwas verbirgt. Es geht mir nicht darum, etwas Konkretes zu vermitteln, sondern eher darum, einen offenen Zustand zu schaffen – in dem man schauen, spüren und verweilen kann.

Preis auf Anfrage

1987

geboren in Freiberg

2009 - 2017

Studium an der Universität Leipzig, Lehramt Kunst und Sonderpädagogik, Master

2011 - 2012

Auslandsstudium an der Facultad de Bellas Artes, Murcia/Spanien

2015 - 2019

Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig in der Klasse für Malerei/Grafik bei Prof. Annette Schröter, Diplom

lebt und arbeitet in Leipzig

2025

"Hotspot Leipzig- Highlights aus der Sammlung", Drents Museum Assen, Niederlande
"Naturraum trifft Moderne", Galerie Falk Hartig, Chemnitz
"Soft Echoes", Lindenow Leipzig
"Shelter", Tapetenwerk Leipzig 
"NOI", BBKL Neumitgliederausstellung, Kulturhof Gohlis
"Große Aussichten", Galerie Von&Von, Nürnberg
"Licht", BBKL Mitgliederausstellung, Baumwollspinnerei Leipzig
"TON", 31. Leipziger Jahresausstellung, Werkschauhalle Baumwollspinnerei Leipzig
"Spektrum Leipzig Reloaded", Galerie Von& Von, Nürnberg
"open studios", Tapetenwerk Leipzig

2024

"temporary", Weisses Haus, Markkleeberg (Solo)
"First Date", Galerie VON&VON, Nürnberg

2023

"Hidden Moments", Galerie VON&VON, Nürnberg
"Raum und Dekonstruktion", Ahoi-Stadtmagazin, Leipzig (Solo)

2022

„Bricks“, Galerie She BAM!, Leipzig
„Decade“, Galerie Von&Von, Nürnberg
„Architektur und Malerei“, Nidus Kosmos, Düsseldorf
„Silky Lights“, Zentrale für Kunst, Brückenloft Leipzig

2021

„Mutable“, Art Tausch, New York
„No Fear In Trying“, Art Tausch, New York
„Urban Jungle“, Von Fraunberg Art Gallery, Düsseldorf
„Space Oddity“, Galerie Robert Drees, Hannover
„Seasonal Black“, Werkschauhalle Baumwollspinnerei Leipzig
„Kontemplation“, Digitale Ausstellung

2020

„From dawn till dusk“, Galerie Robert Drees, Hannover
„Spektrum Leipzig“, Galerie VON&VON, Nürnberg
„Hybrid Utopia“, Westpol A.I.R. Space Leipzig
„Ereignis Malerei“, BBK Leipzig, Tapetenwerk Leipzig
„Art Karlsruhe“, Galerie Von&Von, Karlsruhe

2019

„Disclosure“, Projektraum 4D, Tapetenwerk Leipzig
Diplomrundgang, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
„Atmo“, Gruppenausstellung, Halle 14, Baumwollspinnerei Leipzig
„Mehrzahl“, Gruppenausstellung Malerei/Grafik, Werkschauhalle, Baumwollspinnerei Leipzig
„Hinter Türen“, Frühjahrsrundgang der Leipziger Baumwollspinnerei, Halle 20, Leipzig, Einzelausstellung
„disclosure“, Diplomausstellung, Projektraum 4D Tapetenwerk Leipzig, Einzelausstellung

2018

„Pretty Park“, Klasse Prof. Annette Schröter, Weisses Haus, Markkleeberg
„Natur Mensch“, Nationalpark Harz, Sankt Andreasberg
„The Room in my Head“, GALERIE VON&VON,
Nürnberg

2017

„Zwischenräume – Zwischen Verborgenem und Sichtbarem“, Jahn-Galerie, Tapetenwerk Leipzig
Herbstrundgang der Leipziger Baumwollspinnerei, Halle 20, Leipzig
„Klasse Klasse!!“, Klasse Prof. Annette Schröter (HGB Leipzig) / Prof. Valérie Favre (UdK Berlin), Tapetenwerk Leipzig

2016

„Grenzwege“, Galerie Dekanatskirche Maria-Himmelfahrt, Most, Tschechien

2015

„Kunstraum Erzgebirge Mittelsachsen“, Marienkirche Beeskow

2013

„Siebte Schicht“, Rektorat der Universität Leipzig

2012

„Paisaje UM versus Espacios Naturales Protegidos“, Teatro Romea, Murcia, Spanien

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